Finisher E101

Meine Reise über 101 km

Am Freitag morgen hiess es packen und dann ab nach Grindelwald.

Ausrüstung

Morgen stand mein Saisonhöhepunkt an. Um 14 Uhr trafen Claudia und ich in Grindelwald ein und bezogen unser Zimmer im Hotel Steinbock. Die Vorfreude aber auch die Nervosität wurde immer grösser, von mir aus hätte es bereits losgehen können. Zuerst musste ich aber noch meine Startnummer abholen und mein Pflichtgepäck kontrollieren lassen. Der Veranstalter schreibt vor, was jeder Läufer dabei haben muss wie Jacke, Stirnlampe, Trinkbecher, lange Hose, usw.

StartnummerWir genossen danach das Ambiente in Grindelwald, alles drehte sich um den Ultra Trail, bevor wir zurück ins Hotel gingen und zu Abend assen.

TreichleIm Berner Oberland bekommt man nur sehr beschränkt veganes Essen und vor einem Ultralauf gehe ich nicht gerne Experimente ein, deshalb haben wir unser Essen von zu Hause mitgebracht. Für mich gab es selbstgemachtes Humus und Zucchinis.

Um 2:50 Uhr klingelte bereits nach einer unruhigen Nacht wieder der Wecker. Ich nahm eine Dusche, ass ein Porridge und machte mich startklar. Um 4:15 stand ich auf dem Startgelände unter den anderen rund 600 Läufern. Ich reihte mich in der vorderen Hälfte ein und wartete ungeduldig auf den Start.

Start am Eiger Ultra Trail

Endlich war es soweit, der Startschuss viel und wir rannten im Schein unserer Stirnlampen los, hinauf durch Grindelwald und weiter in die Dunkelheit. Nach dem Restaurant Wetterhorn wurden die Wege schmaler, wir reihten uns ein und es ging stetig hinauf durch die Morgendämmerung. Auf der Grossen Scheidegg wurden wir von einem kalten Wind empfangen, beim Ausatmen hauchte es. Am Verpflegungsposten nahm ich einen Schluck Wasser, dann zog ich mir schnell meine Armlinge über und ging weiter. Das Gelände wurde wieder etwas flacher und bald lies auch der kalte Wind nach. Einige 100 Meter bevor wir auf die First kamen, führte uns der Trail nach links runter bis nach Bort, um dann in einem Bogen wieder aufzusteigen und über den spektakulären „Cliff Walk“ an der Steilwand in luftiger Höhe, doch zur First zu gelangen.

Trail RunnerHier wartete bereits Claudia auf mich. Sie füllte mir meine Flaschen auf, gab mir einige Gels und zwei selbstgemachten Kartoffel-Süsskartoffel Tätschli mit. Die Kartoffel-Süsskartoffel Tätschli gehören mittlerweile zu meinem Standardproviant, die habe ich bei jedem langen Ultra dabei. Ich liebe die Dinger und kann Sie auch bei grosser Anstrengung gut essen. Ich verabschiedete mich nach einigen Minuten auch schon wieder und machte mich Richtung Faulhorn auf. Claudia werde ich erst wieder in Burglauenen treffen. Der Weg bis auf das Faulhorn ist meist recht breit und nicht sehr schwierig zu laufen. Beim idyllisch gelegenen Bachsee konnte man das Bergrestaurant auf dem Faulhorn bereits sehen, es ging nun aber zuerst nochmals in einen kurzen Abstieg und um den Reeti Berg herum nach Oberläger, bevor es dann steil zum 2681 m hohen Fauhorn hoch ging. Oben angkommen ging es dann auch gleich wieder steil runter in Richtung Schynige Platte. Das Terrain ist bis zur Schynigen Platte recht alpin und ich musste mich konzentrieren. Von der Schynigen Platte aus ging es dann nochmals richtig steil runter durch den Wald, mit hohen Absätzen über Wurzeln, die die Knie und Oberschenkel stark beanspruchten. In diesem Terrain war ich froh um meine Stöcke, so konnte ich die Schläge etwas dämpfen. Nach ca. 2 h 50 hatte ich den Abstieg vom Faulhorn nach Burglauenen hinter mich gebracht. In diesem langen Abstieg kann man viel Substanz verbrauchen, wenn man es übertreibt. Mir ging es aber nach etwas mehr als der Hälfte der Strecke immer noch recht gut. In Burglauenen empfing mich Claudia erneut, ich ass wieder eine Kleinigkeit, bevor ich mich nach dem 1500 Meter langen Abstieg, zur gegenüberliegenden Talseite aufmachte. Jetzt erwartete mich der nächste lange Aufstieg über Wengen zum Männlichen auf über 2000 Meter. Bis nach Wengen war der Weg einfach, Teils auf Asphalt und wenig spektakulär. Das Feld zog sich mehr und mehr auseinander und ich lief immer mal wieder alleine. Die Touristen in Wengen klatschten uns Läufern immer wieder mal zu, es war eine schöne Atmosphäre . Hier traf ich auch Claudia erneut, bevor ich mich an den steilen Aufstieg zum Männlichen machte. Das Terrain wurde wieder alpiner und der Trail führte steil in Serpentinen zwischen den Lawinenverbauungen hoch.

Trail RunnerEin weiterer happiger Abschnitt war geschafft. Oben auf dem Männlichen traf ich Claudia nochmals bevor ich sie dann erst wieder in Alpiglen sehen werde. Nun ging es im Auf und Ab in einem Bogen zur Kleinen Scheidegg. Die Wege waren hier wieder recht breit und gut zu laufen, hatten aber abwechselnd immer wieder schmale und anspruchsvollere Singletrails. Nach der Kleinen Scheidegg ging es Richtung Eiger, Mönch und Jungfrau, über einen schmalen steinigen Weg hoch zur Station Eiger-Gletscher. Es bot sich eine imposante Kulisse, viel Geröll, Stein und die grossen Schneeberge, eingehüllt in Wolken.

Nach der Station Eiger-Gletscher liefen wir direkt am Fusse des Eigers in leichtem Abstieg durch die steinige hochalpine Landschaft. Die Berge steigen majestätisch in den Himmel, ich hielt einen kurzen Moment an und genoss die imposante Stimmung, einfach grossartig! Nun ging es runter nach Alpiglen, dort wartete Claudia noch zum letzten mal auf mich.

Trail Runner

Ich ass noch die letzten Tätschli und machte mich auf die letzten 12 km. Diese sollten es nochmals in sich haben. Nach dem langen Abstieg von 1300 m ging es nochmals hinauf über den Marmorbruch und dann durch den Wald, über wurzelige Trails weiter zur Pfingstegg. Kurzzeitig konnte ich mein Tempo bis zum Marmorbruch sogar noch etwas erhöhen.

Trail RunnerNach der Pfingstegg ging es über einen Fahrweg in den finalen Abstieg. Meine Oberschenkel waren hart und das Runterlaufen fiel mir nicht mehr ganz so einfach. Ein Läufer überholte mich dann auch. Die Schwarze Lütschine mit der Brücke kam in Sichtweite, nun wusste ich, es geht nur noch ein paar hundert Meter. Im Flachen konnte ich mein Tempo nochmals erhöhen, über den Campingplatz weiter dem Fluss entlang, bis die scharfe Rechtskurve in das Ahornengässli einbiegt und steil nach Grindelwald führt. Dort sah ich auch den Läufer wieder der mich im Abstieg überholte. Ich stemmte meine Hände auf die Oberschenke und versuchte mit schnellen Schritten nochmals Tempo zu machen und aufzuholen. Oben wurde ich von lauten Glocken und vielen Zuschauern empfangen. Die Stimmung war grandios, wie ich es noch bei keinem Lauf erlebt hatte. Einer der Zuschauer lief mir mit seiner Glocke entgegen und feuerte mich an. Die Energie strömte durch meinen Körper und ich dachte, jetzt musst du alles geben und meine Beine liefen los. Durch die Zuschauer hinauf, dann scharf links durch das Dorf ins Zielgelände. Den andern Läufer konnte ich aber trotzdem nicht mehr einholen, egal, für mich war es ein super Schlussspurrt mit vielen grossen Emotionen. Ich bekam mein Finisher Shirt und meine Medaille umgehängt, dann schaute ich mich um und sah auch schon Claudia. Sie freute sich riesig für mich und gratulierte mir. 101 km, 6700 Höhenmeter in 16 Stunden 30 Minuten, eine grandiose Reise war für mich zu Ende.

ZieleinlaufDer Eiger Ultra Trail gehört nicht ohne Grund zur Ultra-Trail World Tour. Er war perfekt organisiert, es hatte nur nette und hilfsbereite Helfer und Helferinnen, überall herrschte eine positive Stimmung, ein unvergleichliches Bergpanorama, viel Abwechslung und zum Schluss der unvergesslicher Empfang in Grindelwald. Für mich war es ein perfekter Lauf!

Berge

2 Gedanken zu “Meine Reise über 101 km

    1. Vielen Dank! Nicht so bescheiden Guido, bei deiner Baltikum-Reise hast du doch viel Härte und Ausdauer bewiesen, da geht bestimmt auch ein Ultratrail! Gratulation zu deinem Marathon-Finish, super Leistung!

      Gefällt 1 Person

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